Kardiologie

Kardiologie

 
Die zentrale Funktion des Herzens und Blutkreislaufes ist die Aufrechterhaltung einer ausreichenden, adäquaten Perfusion aller Organe. Pferde mit Herzerkrankungen sind vorberichtlich häufig klinisch unauffällig. Befunde am Pferdeherzen, wie z.B. Herzgeräusche und Arrhythmien werden oftmals bei Routineuntersuchungen, wie Impfungen oder einer Ankaufsuntersuchung festgestellt. Ein abweichender Auskultationsbefund sollte durch eine ausführliche klinische Untersuchung Ihres Pferdes in Ruhe sowie unter Belastung und weiterführender diagnostischer Untersuchungsmethoden abgeklärt werden. Erst dies ermöglicht eine Aussage in Hinblick auf die weitere Nutzung und Leistungsfähigkeit des Pferdes.

Die frühzeitige Erkennung und richtige Behandlung einer Herzerkrankung kann die Lebensqualität Ihres Tieres schützen und sein Leben deutlich verlängern!

Mögliche Symptome einer Herzerkrankung sind z.B.:

  • Leistungsabfall
  • Starkes Schwitzen
  • Kurzatmigkeit
  • Verzögerte Beruhigung der Herz- und Atemfrequenz
  • Ödeme (Unterbrust-/ Unterbauchbereich)
  • Veränderung der Pulsfrequenz
  • Positiver Venenpuls
  • Fieber
  • Milde Kolik
  • Dyspnoe, rasselnde Atemgeräusche
  • Zyanose

Mögliche Krankheitsbilder einer Herzerkrankung sind z.B.:

  • Endokarderkrankungen:
    • Herzklappenstenosen:
      – Aortenklappenstenose
      – Pulmonalklappenstenose
    • Endokarditis
    • Herzklappeninsuffizienz:
      – Mitralklappeninsuffizienz
      – Aortenklappeninsuffizienz
      – Trikuspidalklappeninsuffizienz
      – Pulmonalklappeninsuffizienz
  • Myokarderkrankungen:
    • Myokardfibrose
    • Dilatative Kardiomyopathie
    • Akute Myokarditis
  • Perikarderkrankungen:
    • Hydro-/ Hämoperikard
    • Perikarditis
  • Herzinsuffizienz:
    • Linksherzinsuffizienz
    • Rechtsherzinsuffizienz
  • Kongenitale Erkrankungen des Herzens und der herznahen Gefäße:
    • Atriumseptumdefekt
    • Ventrikelseptumdefekt
    • Persistierender Ductus arteriosus
    • Trikuspidalklappenatresie
    • Pulmonalatresie
    • Fallot-Tetralogie
  • Herzfrequenz- und Herzrhythmusveränderungen:
    • Supraventrikuläre Arrhythmien:
      – AV-Block
      – Sinusarrhythmie
      – Vorhofextrasystolen
      – Vorhofflimmern und -flattern
    • Vetrikuläre Arrhythmien:
      – Ventrikelextrasystolen
      – Ventrikuläre Tachykardie
      – Kammerflimmern und -flattern

Voraussetzung für eine adäquate Therapie ist es, die Art, den Grad und die Ursache der Herzerkrankung genau zu diagnostizieren, da nur damit die Therapie individuell abgestimmt werden kann. Dabei wird das Ziel verfolgt, die Progression der Herzerkrankung aufzuhalten, die Leistungsfähigkeit des Herzens zu verbessern und damit Ihrem Pferd ein längeres, beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

Je früher eine Herzerkrankung erkannt und therapiert wird, desto besser ist die Prognose!

Zur kardiologischen Untersuchung gehört neben der genauen Vorberichtserhebung und klinischen Untersuchung der Herzultraschall (Echokardiographie) sowie das EKG.

Echokardiographie

 
Die Echokardiographie ist eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und wird zur Evaluierung der Art und des Ausmaßes einer Herzerkrankung herangezogen. Sie hat sich in den letzten Jahren zu einer hochtechnisierten, anspruchsvollen Routinediagnostik in der Pferdemedizin entwickelt. Ohne diese Methode sind entscheidende, beweisende Angaben über die Herzerkrankung des Patienten unmöglich. Die medizinisch risikofrei anzuwendende Technik liefert Daten zur Herzmorphologie, Klappendynamik und Verhalten des Blutstroms in den Herzkammern und herznahen Gefäßen. Diese Untersuchungsmethode ist völlig schmerzfrei und wird vom Pferd ohne Sedation gut toleriert. Mit Hilfe dieser Technik erlangt man einen, „Live“- Einblick in das schlagende Herz und es lassen sich sowohl die Funktion der Herz- und Gefäßklappen, als auch die Aktivität der Herzwände bewerten. Zusätzlich bekommen wir einen Eindruck vom Ausmaß der Vorhöfe und Hauptkammern sowie der Muskeldicke und des Herzbeutels. Des Weiteren besteht mit der Doppler-Echokardiographie die Möglichkeit, die Geschwindigkeit und den Strömungscharakter der Blutflüsse im Herzen zu bestimmen. Die sowohl morphologische und funktionelle Beurteilung jeder einzelnen Herzstruktur ist ein wesentlicher Vorteil der Echokardiographie. Zur Durchführung der Echokardiographie beim Pferd verweisen wir gerne an dafür spezialisierte Kollegen.

Elektrokardiographie

 
Das EKG zeichnet die elektrische Reizbildung und –weiterleitung am Herzen während der Entspannungs- (Diastole) und Kontraktionsphase (Systole) direkt in einem digitalen Format auf. Dies ermöglicht die Diagnostik verschiedener Herzerkrankungen, die auf Dysfunktionen der Erregungsbildung und –weiterleitung der Herzmuskelzellen basieren, so dass im Anschluss der elektrokardiographischen Auswertung eine zielgerichtete Therapie eingeleitet werden kann. Allerdings ist zu beachten, dass ein EKG als nichtinvasives und für das Tier sehr schonendes Verfahren zwar die Erregungsbildung und -leitung des Herzens (funktionelle Störung) und somit das Vorliegen einer primären oder sekundären kardialen Erkrankung darstellen, jedoch andererseits selbst bei schwer herzkranken Patienten ein physiologisches Bild liefern kann. Vor diesem Hintergrund stellt das Ergebnis der EKG-Analyse bezüglich möglicher therapeutischer Konsequenzen kein alleingültiges Kriterium dar und sollte durch Ergebnisse anderer, weiterführender Untersuchungen, wie z.B. der Echokardiographie (morphologische Störungen) ergänzt werden.

Labordiagnostik bei kardialen Erkrankungen

 
Kardiale Troponine (Troponin-T und Troponin-I):
Die Bestimmung der kardialen Troponine ist insbesondere bei Verdacht auf eine akute Myokardschädigung, welche mit schweren Ischämien und Zellnekrosen einhergeht angebracht.

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